Holz ist wunderbar!

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TomHom
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Holz ist wunderbar!

Beitrag von TomHom »

Hallo,
ja das sagte mein Onkel Ulrich immer wenn er ein schönes Teil aus Holz angefertigt oder repariert hatte. Er war Schreiner der alten Schule.
Das Holz in unseren Coupes ist auch wunderbar, nur sieht es manchmal nach Jahrzehnten an manchen Stellen etwas angegriffen und aufgelöst aus. So wie hier im Bereich des Dreiecksfensters. Hier haben sich direkt alle Schichten des Furniers gelöst.
Leisten nicht mehr verwendbar.jpg
Dies ist ein Extremfall, die Leisten sind nicht mehr zu retten. Bekommt man keinen passenden originalen Ersatz muss das Teil nachgefertigt werden. Einfacher sind dann diese Fälle mit leichten Abplatzern oder Rissen so wie weggebrochenen Kanten oder Löchern an Stellen wo sie nicht hingehören.
Türleiste noch zu retten
Türleiste noch zu retten
So etwas ist wohl noch zu retten, obwohl der Aufwand beträchtlich ist und nur von erfahrenen Tischlern zu befriedigenden Resultaten gebracht werden kann. Man kommt in den meisten Fällen nicht drumherum die oberste Furnierschicht abzutragen und zu erneuern. Ist das vorhandene Furnier noch richtig fest mit der unteren Schicht verbunden, so kann versucht werden die oberste Lackschicht zu entfernen. Bei sehr hartem Lack kann das durch Abstoßen mit dem Stechbeitel erfolgen. Abschleifen ist mühselig, oft wird das dünne Furnier durchgeschliffen und die untere Schicht wird sichtbar, eine neue Lage Furnier muss dann aufgebracht werden.
20231103_110831.jpg
Hier sieht man die Struktur des "Sperrholzes": Der Name "Sperrholz" kommt von dem Begriff "sperren".
Wikipedia sagt zu Sperrholz:
quote
Es besteht aus mindestens drei miteinander verleimten und verpressten Holzlagen. Der Faserverlauf von zwei übereinanderliegenden Lagen steht jeweils im Winkel von 90°. Dadurch werden richtungsgebundene Werkstoffeigenschaften wie z. B. das Quell- und Schwindverhalten über die Plattenebene homogenisiert, der entstandene Werkstoff arbeitet im Gegensatz zu Massivholz nicht mehr nennenswert, das Holz ist „abgesperrt“. Durch die Art, Anzahl und Anordnung der Holzlagen ergeben sich der Plattenaufbau und seine spezifischen Festigkeitseigenschaften.
unquote.
Der Faserverlauf dieser Leiste verläuft bei der obersten Schicht in Längsrichtung, der nächsten 90°dazu, die nächste Schicht verläuft wieder in Längsrichtung und so weiter. Gut zu sehen ist hier der Unterschied zwischen der feinfaserigen (und teuren) obersten Schicht und der darunterliegenden Schicht. Hier wird preiswerteres Furnier eingesetzt da es optisch nicht mehr in Erscheinung tritt.
Möchte man sein Holz nun wieder im alten Glanz erstrahlen lassen so gilt es die oberste Furnierschicht zu entfernen, eine neue Schicht aufzuleimen, den Farbton durch Beizen wieder anzugleichen, Lack drüber, fertig.
Ganz so einfach ist es, wer hätte es gedacht, aber nicht.
Ich möchte hier im folgenden aufzeigen wie es gemacht werden könnte. Mein allerliebster Nachbar Franz-Josef ist Tischler und wurde leider durch den Ischiasnerv beruflich "on hold" gestellt. Jetzt, kurz vor seiner Eingliederung, fand er Zeit sich meinen Hölzern zu widmen.
Zuletzt geändert von TomHom am So 19. Nov 2023, 23:10, insgesamt 8-mal geändert.
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TomHom
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Beitrag von TomHom »

Nach dem Neufurnieren sieht es dann so aus:
IMG-20231112-WA0019.jpg
Nun noch Beizen und Lackieren, fertig (die beiden dunklen Leisten sind Originalteile).
Auch dies sollte mit Sachverstand gemacht werden sonst sieht es nachher so aus:
Na, wer erkennt sich hier wieder??
Na, wer erkennt sich hier wieder??
Im folgenden werde ich die einzelnen Schritte der Aufbereitung meiner (und noch einiger anderer, im Lauf der Zeit gefundenen) Hölzer beschreiben.

Das am meisten verwendete Holz für das Furnier unseres Coupes ist der Nussbaum. Das Furnier kommt meist als "american walnut" oder "european walnut". Es hat ein feines streifiges Furnierbild:
IMG-20231116-WA0004.jpg
Wir entscheiden uns für das original verbaute "american walnut"!

Gruß

Thomas
Zuletzt geändert von TomHom am So 19. Nov 2023, 09:56, insgesamt 6-mal geändert.
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TomHom
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Beitrag von TomHom »

Die Art wie das Furnierholz vom Stamm abgeschnitten (gemessert) wird bestimmt das Erscheinungsbild des Furnierstreifens:
Quelle: BauBeaver "Furnierholz und Furniere "
Quelle: BauBeaver "Furnierholz und Furniere "
Bei im guten Fachhandel gekauften Furnieren kommen die einzelnen Bahnen so hintereinander wie sie vom Stamm gemessert wurden.

Vor dem Auftragen des Furniers muss der Untergrund vorbereitet werden. Kleine Vertiefungen werden mit Spachtel (z.B. "presto 2K Kunststoff-Spachtel") ausgeglichen.
Hier tunlichst die Farbe "braun" wählen da "weiß" durch das Furnier durchscheinen könnte. Abgebrochene Ecken sowie Löcher die nicht dort sein sollten werden repariert:
Froschi.JPG
Hier wurde die Spitze erneuert. Was dem Kenner auffällt (oder auch nicht): im vorderen Teil des Seitenteils der Tür wurde wohl "Limba" als Furnierschicht verwendet!
Und dann für eine glatte Fläche sorgen: schleifen, schleifen.

Bei der Wahl des Klebers muss geprüft werden ob der nachher aufzutragende Decklack sich mit dem Kleber verträgt.
Die Inhaltsstoffe von z.B. Sprühkleber könnten durch das dünne Material diffundieren und mit dem Lack reagieren.
Wir verwenden Holzleim. In der Tischlerei wird da wasserfester "Propellerleim" genommen, aber wasserfester "Ponal" Holzleim (nicht Express) tuts auch.
Die Rasierklinge in der Hand des Affen
Die Rasierklinge in der Hand des Affen
Wichtig ist die Wahl der Beize, schön wenn es noch jemanden gibt der sie nach Vorgabe anmischen kann.
Desweiteren gutes und geeignetes Werkzeug, wie z.B. dieser Furnierschneider (hier für Linkshänder) und das geeignete Cuttermesser. "Die Rasierklinge in der Hand des Affen": nach dieser Klinge kommt nur noch das Skalpell!

Für das Aufkleben des Furniers bieten sich verschiedene Techniken an, so z.B. das Tiefziehverfahren mit Vakuumpressen https://www.vakuumtisch.de/Vakuumpressen. Zur Not geht es auch mit Muttis Vakuumierer oder dem Staubsauger.
Wir haben diese Anwendung für unsere Hölzer aber verworfen. Wären die Hölzer alle eben und ohne feine Ausschnitte wie bei der Lautsprecherblende oder dem "Frühstücksbrettchen" dann würden Schraubzwingen reichen, aber
- die seitlichen Hölzer verlaufen außen ballig
- bei den Ecken der Instrumententafel muss das Furnier im engen Radius gebogen werden
- die äußeren Enden der Armaturenbretter verlaufen konkav.
So hat sich mein Nachbar für jedes Teil die notwendige Furnierpresse eben schnell selber gebaut.

Das aufwendigste Einzelteil ist wohl das Lautsprechergitter. Es besteht aus dem Frontgitter, 5fach-verleimtem Furnier. Die oberste Schicht zeigt meistens Risse und löst sich partiell ab. Dann kommt die Stoffgaze welche oft eingerissen ist. Danach die Trägerplatte für das Frontgitter und die Platte zur Befestigung des Lautsprechers.

und wie schon gesagt: wer noch Hölzer hat die er nicht mehr braucht kann sie mir gerne anbieten!

Gruß

Thomas
Zuletzt geändert von TomHom am So 19. Nov 2023, 23:15, insgesamt 29-mal geändert.
3,0csi_Inka
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Re: Holz ist wunderbar!

Beitrag von 3,0csi_Inka »

IMG_3488.JPG
IMG_3088.JPG
IMG_3484.JPG
Hallo - mit etwas Zeit und Liebe bekommt man auch das alte
Furnier wieder hin.
Ist halt nur nicht so einfach - wie die Teile neu zu belegen.
LG - Jürgne
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TomHom
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Holz ist wunderbar!

Beitrag von TomHom »

Hallo Jürgen,
ja das stimmt! Und ein Blick in Deine Werkstatt und das tolle Resultat verrät dass Du da wohl auch nicht zum ersten Mal mit Holz gearbeitet hast.

Gruß
Thomas
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Maschalab
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Re: Holz ist wunderbar!

Beitrag von Maschalab »

Hallo Thomas,
Die Hölzer sehen echt gut aus. Verkaufst du auch einzelne Stücke? Mein Lautsprecher Gitter ist mir nicht so gut gelungen aber bevor ich jetzt wieder von vorne anfange, frag ich einfach mal nach.

Gruß,
Uli
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Gerhard
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Re: Holz ist wunderbar!

Beitrag von Gerhard »

Hallo

Ich kann hier auch ein Bild beisteuern, hab in Ungarn schon mehrere Sätze überholen lassen. Suche deshalb wie Thomas schon länger immer wieder Holz zum aufarbeiten. Ein Kostenvoranschlag bei einem bekannten Holzexperten lag vor ein paar Jahren bei 2600 Euro für den kompletten Satz. In Ungarn gemacht kostet so ein Satz rund die Hälfte. Zur Zeit hab ich noch 3 oder 4 Satz auf Lager, falls jemand einen kompletten Satz haben möchte.

Gruß Gerhard
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Holz Satz Set.jpg
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TomHom
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Holz ist wunderbar!

Beitrag von TomHom »

Hallo Uli,
vielen Dank für das Lob!
Die ursprüngliche Intention war die Hölzer meines CS und des CSL RHD für mich aufzubereiten. Beim RHD möchte ich mir die Option "Umbau auf LHD" offen halten, also gibt es jetzt zwei LHD-sets.
So haben wir (mein Nachbar Franz-Josef und ich) meine vorhandenen Hölzer aufbereitet. Ein komplettes Set kam dann noch aus Einzelteilen zusammen, es gibt auch noch ein Set für den 2000C, bestehend aus den Seitenhölzern, der Instrumententafel aber (erstmal) nicht den senkrechten Armaturenbretttafeln.
Das überzählige Set könnten wir abgeben, aber erst einmal nur im Tausch mit einem anderem Set das wieder aufbereitet werden kann.
Die Aufbereitung bestehender Sets beschreibe ich ja dann weiter oben. Bei der angesprochenem Lautsprecherblende haben wir die vorhandenen Teile versucht zu restaurieren, was gar nicht so einfach war. Aber, geht nicht gibt´s nicht!
Zusätzlich fertigen wir als erstes nun diese Lautsprechergitter an. Zuerst nur die Frontgitter, sie lassen sich dann einfach austauschen. Später, bei Bedarf dann auch die beiden Trägerplatten.
Das Frontgitter besteht aus 5fach-verleimtem Furnierblättern. Die Schlitze werden gesägt (so muss es original wohl auch gemacht worden sein), die verbleibenden Reste in den Ecken dann ausgestanzt und mit der Feile entgratet.

Nach langem Suchen habe ich nun auch einen Stoff gefunden der als Lautsprechergaze dienen kann:
Lautsprechergitter Ersatzgaze.jpg
und dann heute eingefärbt. Richtig gut zur Geltung kommen wird er nachdem gelackt wurde!
20231210_144652.jpg
20231210_144634_2.jpg
Wer für seinen Lautsprecher hiervon etwas braucht melde sich bitte bei mir, ist genug da (solange meine Frau nicht merkt was ich da stibitzt habe!)

Ein sehr wichtiges Thema ist das Gesamtbild aller verbauten Hölzer und die Frage, was alles ausgetauscht werden möchte. Nicht jeder ist in der Lage mal eben das Armaturenbrett auszubauen um dann alle Hölzer mit dem Furnier aus einem Stamm und dem gleichen Beizton und der gleichen Lackoberfläche wieder einzubauen.
Für den Anfang haben wir "american walnut" als Furnier gewählt. Die Beize ist von unserem Lacker angerührt worden, als Vorlage diente ein kaum ausgeblichenes Holz, unter der Blende des Innengriffs oben ist am ehesten zu sehen wie dunkel der Originalton eigentlich ist.
Als mehrschichtigen Decklack verwenden wir "Hesse Treppenlack 2k seiden-glänzend","top-of-the-Bommelmütz"!
Als nächstes werden wir, falls sich eine Nachfrage abzeichnet, die seitlichen Hölzer nachbauen wollen sowie das "Frühstücksbrettchen".
Die senkrecht stehenden Bretter des Armaturenbrettes würden folgen.
Ganz schwierig werden die Bretter des Instrumententrägers, die Löcher für die Instrumente sind hier schräg ins Brett eingebracht, da überlegen wir noch wie das gemacht werden kann.

Was kostet das nun alles:
Ein komplettes überholtes Set mit neuem Furnier wird hier im Forum ca. 1500€ kosten, im Austausch zu einem "restaurationswürdigen" originalen Set.
Ein komplett neues Set wird hier im Forum dann auch um die 2500€ kosten.
Ein neu angefertigtes Frontgitter mit der oben beschriebenen Lautsprechergaze wird hier im Forum 75€ kosten.

Bei Interesse schreibt mir eine Mail.

Ich hadere im Moment mit dem verlinken meiner Bilder aus der Cloud, mein GMX ist da wohl nur mittelmäßig und lässt dies nicht zu.

Ach so: die kleinen Streben auf der Armaturenbrettablage gehören auch zu einem kompletten Set.
Und, wie gesagt, wer noch Hölzer hat und nicht braucht: bitte anbieten!

Gruß

Thomas
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